Beruf mit Zukunft, Änderung der HOAI

Von Dipl.-Ing. Gerhard Zach, Präsident
VERBAND DEUTSCHER ARCHITEKTEN

Die Änderung der HOAI wurde trotz des knappen Zeitplans tatsächlich noch in dieser Legislaturperiode des Bundestages abgeschlossen und mit der knappest denkbaren Mehrheit von 1 Stimme (35:34) im Bundesrat beschlossen.

Bis zuletzt gab es Widerstand der Ingenieure, da die Wiedereingliederung der Teile VI sowie X bis XIII in die HOAI unterblieben war. Trotz aller Solidarität mit den Ingenieuren musste die HOAI mit der Option zur Nachbesserung jetzt verabschiedet werden, da sonst das gesamte Verfahren hätte neu durchgeführt werden müssen und dann vielleicht auch in der nächsten Legislaturperiode nichts aus der Änderung geworden wäre.
Der VDA hat sich hier besonders engagiert.

Die HOAI ist inzwischen im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und somit rechtskräftig. Natürlich ist die neue HOAI nicht der ganz große Wurf, jedoch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Die Anhebung der Tabellenwerte führt zu einer Honorarerhöhung bei Gebäuden gegenüber der HOAI 2009 um 0,7 % bis 16 %. Zum Beispiel erhöht sich das Honorar um 17,88 % bei anrechenbaren Kosten von 300 000,-€ in Honorarzone III. Bei Wärmeschutz und Energiebilanzierung erhöht sich das Honorar um bis zu 203 %.
Die Änderung der Prozentsätze bei den Leistungsbildern fiel sehr moderat aus und bleibt umstritten: Die Leistungsphase 1 wurde um 1 Punkt reduziert, was akzeptabel ist. Die Leistungsphase 3 wurde um 4 Punkte erhöht, was eher weniger nachvollziehbar ist und die Leistungsphase 4 um 3 % gekürzt, obwohl hier der Aufwand immer größer wird.
Die Bereiche Werbeplanung und Ausschreibung blieben unverändert. Hier steigen die Anforderungen in Wirklichkeit ständig und der Computer spart so viel Zeit nicht ein.
In der Bauleitung gab es eine Anpassung um 1 Punkt nach oben, was notwendig war. Dieser Punkt wurde bei der Leistungsphase 9 gestrichen, was angesichts der neuen Definition in Ordnung ist.
Für das höhere Honorar müssen die Architekten allerdings auch mehr arbeiten, was aus der Neuformulierung der Grundleistungen hervorgeht.
Grundsätzlich sind nun alle Leistungen genauer zu planen, zu erläutern und zu dokumentieren und an die anderen an der Planung fachlich Beteiligten zu übergeben.

Neu ist in § 10 HOAI die Honorierung von Planungsänderungen. Allerdings ist die Formulierung so, dass wieder keiner ohne Diskussionen die vom Bauherrn gewünschten Änderungen bezahlt bekommt. Mit einer umfangreichen Dokumentation ist dies wohl möglich, wenn Einigkeit über die Änderungen besteht (Einigungsvorbehalt).
Wichtiger Punkt ist die in § 2 Abs. 7 HOAI und § 4 HOAI geregelte und neu wieder aufgenommene mitverarbeitete Bausubstanz. Damit ist hier wieder ohne besonderen Aufwand ein entsprechend höheres Honorar möglich. Der Ansatz der Bausubstanz sollte sorgfältig ermittelt werden.
Geändert wurde wieder einmal der Umbauzuschlag. Er wird auf wesentliche Eingriffe in Konstruktion oder Bestand reduziert. Die Bandbreite des Zuschlags beginnt bei 20 % im Durchschnitt. Die Angabe von 80 % ist wieder entfallen und es können bis zu 33 % bei mittlerer Schwierigkeit vereinbart werden. Ohne Vereinbarung können 20 % abgerechnet werden.
Es sind eine Reihe von sonstigen Punkten neu festgelegt worden:
Die Fälligkeit des Honorars nach Abnahme der Leistung und prüffähiger Schlussrechnung.
Die Objektlisten wurden aktualisiert und neue Objekte eingeführt.

Für Architekten bedeutsam sind auch die Änderungen für die Honorare bei Flächennutzungs- und Bebauungsplänen: Die Tafelwerte wurden deutlich angehoben, vor allem im unteren Bereich. Unseres Erachtens immer noch viel zu wenig.
Die Berechnungsgrundlage wurde auf Flächen (von Verrechnungseinheiten) umgestellt und die Honorarzonen wurden neu gestaltet. Ein Mindesthonorar für Bebauungspläne unter 0,5 ha wurde abweichend vom Vorschlag der Honorargutachter nicht eingeführt.
Soviel zu den wesentlichen Änderungspunkten der HOAI.
Die Großzügigkeit der Honorarerhöhung wird sofort relativiert, wenn man die Erhöhung der Honorare für Rechtsanwälte und Notare, die unmittelbar danach erfolgte, sieht. Man war den Architekten gegenüber nur nett, um ohne Diskussion die Bezüge der Berufsgruppen, die im Bundestag am besten vertreten sind, erhöhen zu können.