Zukunft im Beruf

von Dipl.-Ing. Gerhard Zach, Präsident VERBAND DEUTSCHER ARCHITEKTEN

Die Auftragslage für Architekten ist so gut wie lange nicht mehr. Es herrscht Vollbeschäftigung. Es wird gutes Geld verdient.
Das ist die Darstellung in der Presse. Die Realität schaut natürlich etwas anders aus. Es gibt wohl Aufträge, Geld verdienen damit aber nur die größeren und großen Büros, die die lukrativen Aufträge bekommen und aufgrund ihrer Größe, betreffend Umsatz und Mitarbeiter, in VOF- und Wettbewerbsverfahren die Nase vorne haben.

Die letzte Umfrage (2012) der Hommerich Forschung, beauftragt von der Bundesarchitektenkammer, bestätigt diesen Eindruck:
Die kleinen Büros machen 77% der Architekturbüros aus. Der Honorarumsatz pro Kopf im kleinen Büro (Einzelkämpfer und bis zu vier Vollzeitkräfte) beträgt rund 50.000,- €. Im großen Büro sind es fast 80.000,- €. Der Überschuß im Ein-Mann-Büro ist bei 30.000,- €, bei vier Leuten sind es über 55.000,- € und im großen Büro 165.000,- €.

Die kleinen Büros, die Masse der Architekten also verdient nur so viel, dass sie gerade davon leben können. Mit der Größe des Büros steigen die Einnahmen. Das hängt natürlich mit der Auftragsstruktur zusammen:

Nur 20% der kleinen Büros haben öffentliche Aufträge. Bei den großen Büros sind es über 40 %. Die gewerblichen Auftraggeber machen bei den kleinen Büros 30% aus, bei den großen sind es fast 60%. Auch hier zeigt sich, die großen Aufträge gehen an die großen Büros. Und an großen Bauvorhaben wird in der Regel mehr verdient, weil hier der Planungs- und Bauleitungsaufwand in Relation zum Honorar viel geringer ist als z.B. bei einem Einfamilienhaus.
Die kleinen Büros haben ihren Tätigkeitsbereich auch in deren unmittelbarer Umgebung. Nur 10 % haben Aufträge auch aus anderen Bundesländern. Bei den großen Büros liegt hier der Anteil bei über 20 %.

Der Anteil von Aufträgen aus dem Ausland spielt bei allen Büros kaum eine Rolle und liegt bei den großen unter 4 %.

Als Konsequenz aus dieser Situation gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die Einzelkämpfer und Kleinbüros geben auf und versuchen in Partnerschaften und Zusammenschlüssen eine wirtschaftliche Größe zu erreichen, um über größere Aufträge die Einkommenssituation überlebensfähig zu gestalten, oder die Voraussetzungen für Aufträge im VOF- und Wettbewerbsverfahren werden so geändert, dass es wieder Chancen für alle gibt.

Eine Möglichkeit wäre u.U. auch eine Spezialisierung. Allerdings wird dies natürlich von vielen versucht und so der Bedarf schnell überschritten. Die Änderung der VOF wird von uns seit Einführung versucht. Außer Versprechungen ist aber kein wirklicher Erfolg geblieben. Im Gegenteil wird von der EU die Situation der freien Berufe unter dem Aspekt der Anhebung des Anteils der freien Berufe am Bruttoinlandsprodukt derzeit geprüft. Dies kann zu einem freizügigeren Zugang zum Architektenberuf führen und damit zu noch größerer Konkurrenz.

Architekt- ein Beruf, der im bisherigen Berufsbild keine Überlebenschance hat?